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	<title>Tiere &#8211; podcast-lesung.de</title>
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		<title>(62) Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva) »Angst« aus »Geflüsterte Worte«</title>
		<link>https://podcast-lesung.de/62-elisabeth-zu-wied-carmen-sylva-angst-aus-geflusterte-worte/</link>
		<pubDate>Sun, 17 Jan 2021 18:49:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[elisa]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Sylva, Carmen]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Seele]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Dauer: 21:27 &#124; Audiodatei herunterladen (49,25 MB)Wenn es eine Hölle geben kann, so ist sie ganz gewiß nur eine Zeit namenloser Angst. Denn es gibt wohl nichts Furchtbareres als Angst. Die Schmerzen des Leibes und der Seele reichen nicht an das Gefühl wahnwitziger Angst hinan, welche die Glieder lähmt, das Wort in Eis verwandelt, das [&#8230;]]]></description>
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				<br>Dauer: 21:27 | <u><a href="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/62-elisabeth-zu-wied-carmen-sylva-angst-aus-geflusterte-worte.mp3"  download target="_blank"> Audiodatei herunterladen (49,25 MB)</u></a><br><br>
<p style="text-align: left;">Wenn es eine Hölle geben kann, so ist sie ganz gewiß nur eine Zeit namenloser Angst. Denn es gibt wohl nichts Furchtbareres als Angst. Die Schmerzen des Leibes und der Seele reichen nicht an das Gefühl wahnwitziger Angst hinan, welche die Glieder lähmt, das Wort in Eis verwandelt, das Herz in einen Krater, in dem es pocht und siedet Tag und Nacht.</p>



<p style="text-align: left;">Die Höllengeborenen, welche die Angst erfanden, wußten, daß diese dem Menschen die Sinne und Gedanken raubt. Und dennoch haben Unzählige diesem Entsetzen widerstanden und sind für einen einzigen Gedanken, für eine einzige Überzeugung durch die Qual hindurchgegangen in den Tod, der wie ein Balsam ihre erlöschenden Kräfte umfing.</p>



<p style="text-align: left;">Ein Gedanke trug diese Menschen dem Himmel zu, während ihre Henker in der Hölle verweilten, darum, wenn die Angst, o Seele, dich umnachtet, so ist es nur darum, weil du zweifelst, weil deine Überzeugung schwankt, weil du nicht den Glauben hast, daß höchste Weisheit dich erleuchtet, und wenn sich die ganze Welt wider dich kehrt.</p>



<p style="text-align: left;">Du hast schon Angst vor der Leute Geschwätz, schon diese Kleinigkeit ist dir so unerträglich, daß du lieber dem Moloch dieser Leute opferst, als dich freudig zu deiner Überzeugung zu bekennen.</p>



<figure class="wp-block-image"><img class="wp-image-724" src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-der-chor-2011.jpg" alt="" srcset="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-der-chor-2011.jpg 750w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-der-chor-2011-474x600.jpg 474w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" />
<figcaption><a href="https://ulrike-theusner.de/malerei-2011-the-guys-from-the-underworld.htm#3">Bild: Ulrike Theusner (2011)</a></figcaption>
</figure>



<p style="text-align: left;">Das macht, weil das Christentum die Throne bestiegen hat und in goldenen Gewändern einhergeht, anstatt verfolgt und verhöhnt und gemartert zu sein. Damals zweifelte keiner, und alle gingen in den Tod.</p>



<p style="text-align: left;">Der Zweifel ist die Ausgeburt des Wohllebens und der Erschlaffung. Wer leidet, der zweifelt nicht, im Gegenteil, er wird nur immer bestärkt in seinem Glauben. Du aber bist in der Verweichlichung groß geworden, in dem bequemen Weihrauch der Kirche, der dich einhüllt und keinen Kampf mehr von dir fordert, und da trifft dich das Ungemach mit seiner Folter, Angst, wie etwas Unbekanntes, Entsetzliches.</p>



<p style="text-align: left;">Angst ist entsetzlich. Sie hat hundert Köpfe und tausend Krallen, sie hat gar kein Antlitz, und gar keine Gestalt, das macht sie so furchtbar. Die heilige Vehm nahm Masken vor, um furchtbarer zu sein. Dasselbe tut die Angst. Sie hat kein erkennbares Aussehen, sondern legt sich dir auf Herz und Glieder und raubt dir den Verstand.</p>



<figure class="wp-block-image"><img class="wp-image-722" src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-carneval-2007.jpg" alt="" srcset="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-carneval-2007.jpg 956w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-carneval-2007-150x150.jpg 150w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-carneval-2007-600x596.jpg 600w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-carneval-2007-768x763.jpg 768w" sizes="(max-width: 956px) 100vw, 956px" />
<figcaption><a href="https://ulrike-theusner.de/zeichnung-2007-psychatrie-serie.htm">Bild: Ulrike Theusner (2007)</a></figcaption>
</figure>



<p style="text-align: left;">Das aber ist wiederum der Körper, der dich also schwach macht, denn du weißt, daß du dasselbe denkst wie zuvor. Die Angst an einem Totenbette ist schlimmer als der Tod, die Angst vor einem vernichtenden Gespräche schrecklicher als das Gespräch, das mit einem Menschen stattfindet, der nur eine kurze Zeit über dich Gewalt bekommen hat und dich nicht ewig foltern kann.</p>



<p style="text-align: left;">Die Angst, Unrecht getan zu haben, die Angst vor der Tat, die du für recht hältst, und von der du doch nicht gewiß weißt ob sie zum Guten führt, die Angst, ein Wort gesprochen zu haben, das einem andern Schaden bringt, – aber siehst du nicht, daß die ganze Natur Angst hat?</p>



<p>Vor dir, dem Räuber, der alles Lebendige verzehrt, fürchten sich alle, und dein Entzücken ist grenzenlos, wenn eins dieser bangen, mißtrauischen Wesen sich an dich anschmiegt und glaubt, daß du es gut mit ihm meinst. Womit hast du denn dieses Vertrauen verdient? Was hast du getan, damit Vogel und Reh, Schmetterling und Eidechse dir vertrauen? Denn selbst die Haustiere sind alle dem Tode verfallen, du nährst sie nur für dich, nicht zu ihrem Wohl.</p>



<figure class="wp-block-image"><img class="wp-image-723" src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-puppi4-2010-1024x788.jpg" alt="" srcset="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-puppi4-2010-1024x788.jpg 1024w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-puppi4-2010-600x462.jpg 600w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-puppi4-2010-768x591.jpg 768w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/ulrike-theusner-puppi4-2010.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />
<figcaption><a href="https://ulrike-theusner.de/malerei-2010.htm#22">Bild: Ulrike Theusner (2010)</a></figcaption>
</figure>



<p style="text-align: left;">Und dann willst du allein das Gefühl der Angst nicht kennen? Hast du das verdient? Du würdest nicht so arm sein, als du es bist, wenn du dich von dem ernähren wolltest, was dir entgegen wächst, und das nicht leidet, sondern reift und fällt, selbst ohne dein Zutun. Du aber mußt Leben abschneiden und gar noch unschuldige Wesen quälen und verfolgen, und trauerst nicht, daß alles Getier von dir flieht als vor seinem grausamsten Feinde?</p>



<p style="text-align: left;">Und du willst kein Auge haben? Du mußt es bezahlen, was du leiden machst. Du hast Angst vor dem Messer, das dich heilen will, und läßt Tiere die gesund sind, in Stücke schneiden, auf daß man dadurch dein elendes Leben verlängere?</p>



<p style="text-align: left;">Die Angst vor dem Tode ist wiederum rein körperlich, denn die Seele wünscht sich oftmals die Befreiung, wenn der Körper sich oftmals vor dem Sterben graust. Ist dir das nicht ganz klar, Seele, daß es nur der Körper ist, dem die zeitweilige Vernichtung nicht gefällt?</p>



<p style="text-align: left;">Er hat ja sein eigenes, starkes Leben und will nicht in den Tod, bei dir nicht und bei keinem einzigen Tiere, du aber, Seele, weißt sehr wohl, daß du dir den Tod wünschest, um aus der engen Behausung herauszukommen, und den unendlichen Raum zu kennen, der dich so nahe umgibt, und der dir so fremd bleiben muß, bis du frei wirst. Dein Körper hat Angst vor Hunger und Kälte, nicht du, Seele; du fühlst weder Hunger noch Kälte, es genügt hierfür, daß ein Gedanke dich ganz befangen hält.</p>



<p style="text-align: left;">Angst macht dich oftmals töricht, so töricht, daß du das Verkehrte, ja das Unerhörte tust, nur weil du Angst gehabt und dein Urteil hast trüben lassen. Angst vor Menschen, ist das nicht ein nichtswürdiges Gefühl?</p>



<p style="text-align: left;">Und doch treibt es in alle denkbaren Handlungen hinein, in Reden die man gedacht, in einem Gesichtsausdruck, der dem wahren Gefühl widerspricht. Angst entwürdigt dich so sehr, daß sie dich sogar zum allerelendesten Menschen, zum Lügner machen kann.</p>



<p style="text-align: left;">Seele! Unwahr brauchst du doch nicht zu sein! Ein Christ, der sich von wilden Tieren zerreißen ließ, machte Hunderte zu Christen: ein beherztes Wort von dir würde vielen helfen, Mut zu haben, und sich zur Wahrheit, oder zu dem, was sie dafür halten, zu bekennen,</p>



<p style="text-align: left;">Wir müssen uns oftmals mit dem Spiegelbild der Wahrheit begnügen, und dieses verteidigen wie ein heiliges Symbol, da uns die wirkliche Wahrheit verhüllt bleibt, bis wir sie ertragen können.</p>



<p style="text-align: left;">Wenn wir die Erde gegen einen Angriff von außen verteidigen müßten, würden wir plötzlich alle Brüder sein, da gäbe es keine Grenze mehr und keinen Erbfeind, und keinen Hader, ja man würde vergessen, worüber man eben noch Krieg führte, und es ganz unbegreiflich finden, daß man entzweit sein konnte; so notwendig würden alle allen sein, in dem Kampf um die Erde gegen einen auswärtigen Feind. Es brauchte nur ein Stern sehr bedrohlich nahe zu kommen, und in der Angst vor Vernichtung wären alle Menschen Brüder.</p>



<p style="text-align: left;">Einsam getragene Angst macht zum Einsiedler vielleicht für alle Zeit. Gemeinsam getragene Angst schließt alle Herzen zusammen mit einem oft unzerreißbaren Bande.</p>



<p style="text-align: left;">Da Märchen und Legenden meistens so sehr viel wahrer sind als sogenannte Geschichte, so ist vielleicht die Bibellegende von einem Paradiese viel wahrer als wir in unserer dunklen Schulweisheit es jetzt noch glauben wollen.</p>



<p style="text-align: left;">Vielleicht hat es in einer Zeit solch ein seliges Erdenland gegeben, und nur als die Angst erschien, da war es vorbei, da wurde eine Art von Hölle daraus. Aber das Bewußtsein einer Himmelsmöglichkeit blieb in den Menschen zurück, und nun suchen sie auf jede Weile diesem seligen Zustande nahe zu kommen, gar mit Mord und Totschlag, da sie meinen, einer steh dem andern im Wege zu dieser Glückseligkeit.</p>



<p style="text-align: left;">Die unten stehen, haben Angst vor den Großen und Reichen und meinen, die nehmen ihnen den Himmel weg, und die oben stehen, haben Angst, ermordet zu werden, und so fürchten sich die einen vor den andern, anstatt sich gegenseitig zu helfen soviel es in aller Kräfte steht.</p>



<p style="text-align: left;">Wenn man einsehen würde, daß der eine mehr Hände-, der andre mehr Gehirnarbeit verrichten soll, so würde man nicht so gierig einer auf den andern blicken, sondern mit dem zufrieden sein, was das Los bestimmt hat.</p>



<p style="text-align: left;">Wissen wir denn, ob wir in einem früheren Dasein nicht das alles schon gewesen sind, oder in einem kommenden wieder werden, was die andern sind? Wie mancher muß schon in diesem Leben Steine Klopfen, weil er sein Gut vertan hat, und zu nichts zu brauchen ist, was andre leisten können.</p>



<p style="text-align: left;">Vielleicht geht es so mit den verschiedenen Existenzen, die wir durchlaufen. In der einen müssen wir hungern, in der andern müssen wir Erfinder sein, in der dritten auf des Gebens Höhen stehen, wenn wir reif genug sind, um den andern so zu dienen.</p>



<p style="text-align: left;">Angst! Aber wenn wir wüßten, was wir schon alles gewesen sind, und noch werden müssen, wie würde die Angst steigen! Vielleicht waren wir einmal Verbrecher! Vielleicht würde sich die Menschheit entsetzt von uns abkehren, wenn sie sehen könnte, was dieselbe Seele schon alles getan hat! Vielleicht ist die Angst, die unsere stete Begleiterin ist, die erste von früheren Fehlern, die wir noch immer sühnen müssen.</p>



<p style="text-align: left;">Viele wollen es sich nicht eingestehen, daß sie schon auf der Erde alles sühnen müssen, jedes unbedachte Wort, jede selbstsüchtige Handlung, jede Tat, die der Menschheit in ihrem Fortschritt Schaden bringt. Oder ist es das dunkle Gefühl, daß die Sühne unser harrt, die uns die Angst ins Herz jagt?</p>



<p style="text-align: left;">Sie ist heilbar, diese Angst, durch einfältigen Kinderglauben. Aber heutzutage ist der Kinderglaube außer Kurs gesetzt, und man hat die Wissenschaft dafür herbeigeholt, und merkt nicht, daß die Wissenschaft in einem Jahrhundert solche Schwankungen erleidet, daß heute falsch ist, was gestern wahr war.</p>



<p style="text-align: left;">Wie soll man aus der Wissenschaft eine Religion machen? Das Christentum gilt für verbraucht. Aber so lange noch kein einziger Mensch der Bergpredigt nachgelebt hat, ist das Christentum noch nicht einmal erreicht, geschweige denn veraltet.</p>



<p style="text-align: left;">Wenn nicht in der ganzen Natur die Angst wohnte, so würden wir berechtigt sein, uns für etwas außergewöhnlich Schlechtes und Nichtswürdiges zu halten, aber nun sehen wir die Unschuldigen ebenso davon heimgesucht, wie wir es sind, und das mitten in der herrlichsten Natur, die ihre Gaben ausschüttet, und alle Augen erfreuen will.</p>



<p style="text-align: left;">Eine Hölle brauchte dennoch die Erde nicht zu sein und ist es für so sehr viele, ja vielleicht für die meisten. Denn selbst, wenn die Angst vorüber ist, läßt Sie unverlöschbare Spuren zurück, in der Seele wie am Leibe: sie geht wie ein verheerendes Feuer über die Menschen und verbrennt sie bis ins Mark. Die Narben davon schmerzen immer wieder, und eine Kleinigkeit reiht sie auf, als wären sie nie geheilt.</p>



<p style="text-align: left;">Ein Gethsemane wartet auf jeden, nur erzählt er es nicht, wenn er es durchlitten hat. Manchmal kann man es an seinem Mitleid mit jedem andern erkennen, daß es über einen Menschen hingegangen ist, manchmal auch am scheuen und scheinbar harten Abschließen gegen die ganze Welt. Angst wirkt so verschieden auf jede Natur.</p>



<p style="text-align: left;">Du aber, Seele, wenn du in dem Fegefeuer der Angst stehst, so halte still. Sie hat ein Ende, sei nur vertrauensvoll!</p>



<p style="text-align: left;">Angst ist ebensowenig ewig, wie alle andern Erdenerlebnisse. Sie erscheint uns nur ewig, gleichwie Körperschmerzen, auch wie Not jeder Art.</p>



<p style="text-align: left;">Die Freude ist kurz, so lange sie auch gedauert hat.</p>
]]></content:encoded>
			</item>
		<item>
		<title>(51) Johann Wolfgang von Goethe »Dilettant und Kritiker«</title>
		<link>https://podcast-lesung.de/51-johann-wolfgang-von-goethe-dilettant-und-kritiker/</link>
		<pubDate>Tue, 05 Feb 2013 19:57:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[elisa]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Goethe, J. W.]]></category>
		<category><![CDATA[Fuchs]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Dauer: 2:26 &#124; Audiodatei herunterladen (5,73 MB) Es hatt ein Knab‘ eine Taube zart, Gar schön von Farben und bunt, Gar herzlich lieb, nach Knabenart, Geätzet aus seinem Mund Und hatte so Freud‘ am Täubchen sein, Daß er nicht konnte sich freuen allein. Da lebte nicht weit ein Alt-Fuchs herum, Erfahren und lehrreich und schwätzig [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><audio id="music" preload="true"><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/51-johann-wolfgang-von-goethe-dilettant-und-kritiker.mp3 "><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/"></audio></p>
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				<br />Dauer: 2:26 | <u><a href="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/51-johann-wolfgang-von-goethe-dilettant-und-kritiker.mp3"  download target="_blank"> Audiodatei herunterladen (5,73 MB)</u></a></p>
<p>Es hatt ein Knab‘ eine Taube zart,<br />
Gar schön von Farben und bunt,<br />
Gar herzlich lieb, nach Knabenart,<br />
Geätzet aus seinem Mund<br />
Und hatte so Freud‘ am Täubchen sein,<br />
Daß er nicht konnte sich freuen allein.</p>
<p>Da lebte nicht weit ein Alt-Fuchs herum,<br />
Erfahren und lehrreich und schwätzig darum;<br />
Der hatte den Knaben manch Stündlein ergetzt,<br />
Mit Wundern und Lügen verprahlt und verschwätzt.</p>
<p><img src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/fuchs.jpg" /></p>
<p>„Muß meinem Fuchs doch mein Täubelein zeigen!“<br />
Er lief und fand ihn strecken in Sträuchen.<br />
„Sieh, Fuchs, mein lieb Täublein, mein Täubchen so schön!<br />
Hast du dein‘ Tag‘ so ein Täubchen geseh’n?“<br />
„Zeig‘ her!“ – Der Knabe reicht’s. – „Geht wohl an;<br />
Aber es fehlt noch, manches dran.<br />
Die Federn, zum Exempel, sind zu kurz geraten.“<br />
Da fing er an, rupft‘ sich den Braten.</p>
<p>Der Knabe schrie. – „Du mußt stärkre einsetzen,<br />
Sonst ziert’s nicht, schwinget nicht.“<br />
Da war’s nackt – Mißgeburt! – und in Fetzen.<br />
Dem Knaben das Herze bricht.</p>
<p>Wer sich erkennt im Knaben gut,<br />
Der sei vor Füchsen auf seiner Hut.</p>
]]></content:encoded>
			</item>
		<item>
		<title>(31) Rainer Maria Rilke »La Panthère/ Der Panther«</title>
		<link>https://podcast-lesung.de/31-rainer-maria-rilke-la-panthere-der-panther/</link>
		<pubDate>Sun, 06 Jan 2008 21:24:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[elisa]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Rilke, Rainer Maria]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>
		<category><![CDATA[Panther]]></category>
		<category><![CDATA[Rilke]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Dauer: 1:50 &#124; Audiodatei herunterladen (4,37 MB) Jardin des Plantes, Paris Son regard du retour éternel des barreaux s’est tellement lassé qu’il ne saisit plus rien. Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Il ne lui semble voir que barreaux par milliers et derrière mille barreaux, plus [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><audio id="music" preload="true"><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/31-rainer-maria-rilke-la-panthere-der-panther.mp3 "><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/"></audio></p>
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				<br />Dauer: 1:50 | <u><a href="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/31-rainer-maria-rilke-la-panthere-der-panther.mp3"  download target="_blank"> Audiodatei herunterladen (4,37 MB)</u></a></p>
<p>Jardin des Plantes, Paris</p>
<p><i>Son regard du retour éternel des barreaux<br />
s’est tellement lassé qu’il ne saisit plus rien.</i><br />
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe<br />
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.<br />
<i>Il ne lui semble voir que barreaux par milliers<br />
et derrière mille barreaux, plus de monde.</i><br />
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe<br />
und hinter tausend Stäben keine Welt.</p>
<p><i>La molle marche des pas flexibles et forts<br />
qui tourne dans le cercle le plus exigu<br />
paraît une danse de force autour d’un centre<br />
où dort dans la torpeur un immense vouloir.</i><br />
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,<br />
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,<br />
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,<br />
in der betäubt ein großer Wille steht.</p>
<p><i>Quelquefois seulement le rideau des pupilles<br />
sans bruit se lève. Alors une image y pénètre,<br />
court à travers le silence tendu des membres –</i><br />
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille<br />
sich lautlos auf – . Dann geht ein Bild hinein,<br />
geht durch der Glieder angespannte Stille –<br />
<i>et dans le cœur s’interrompt d’être.</i><br />
und hört im Herzen auf zu sein.</p>
<p><a href="http://www.zeno.org/Brockhaus-1837/A/Panther?hl=panther"><br />
<img src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/panther.jpg" title="Panther"><br />
</a></p>
<p>französischer Sprecher: <a href="http://jeremiepaul.blogspot.de/">Jérémie Paul</a><br />
Klavier: <a href="http://ulrike-theusner.de">Ulrike Theusner</a><br />
Traduction: <a href="http://temporel.fr/">Claude Vigée</a></p>
]]></content:encoded>
			</item>
		<item>
		<title>(30) Wilhelm Busch »Es sitzt ein Vogel«</title>
		<link>https://podcast-lesung.de/30-wilhelm-busch-es-sitzt-ein-vogel/</link>
		<pubDate>Sun, 02 Dec 2007 19:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[elisa]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Busch, Wilhelm]]></category>
		<category><![CDATA[Busch]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>
		<category><![CDATA[Vogel]]></category>

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		<description><![CDATA[Dauer: 3:05 &#124; Audiodatei herunterladen (906,54 KB) Es sitzt ein Vogel auf dem Leim, Er flattert sehr und kann nicht heim. Ein schwarzer Kater schleicht herzu, Die Krallen scharf, die Augen gluh. Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher. Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><audio id="music" preload="true"><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/30-wilhelm-busch-es-sitzt-ein-vogel.mp3 "><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/"></audio></p>
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<p>Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,<br />
Er flattert sehr und kann nicht heim.<br />
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,<br />
Die Krallen scharf, die Augen gluh.<br />
Am Baum hinauf und immer höher<br />
Kommt er dem armen Vogel näher.</p>
<p>Der Vogel denkt: Weil das so ist<br />
Und weil mich doch der Kater frisst,<br />
So will ich keine Zeit verlieren,<br />
Will noch ein wenig quinquilieren<br />
Und lustig pfeifen wie zuvor.<br />
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.</p>
<p><img src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/vogel.jpg"><br />
Bild: Wilhelm Busch<br />
Musik: Ulrike Theusner und Elisa Demonkí</p>
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		<title>(27) Rosa Luxemburg »Briefe aus dem Gefängnis«</title>
		<link>https://podcast-lesung.de/27-rosa-luxemburg-briefe-aus-dem-gefaengnis/</link>
		<pubDate>Sun, 21 Oct 2007 21:36:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[elisa]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Luxemburg, Rosa]]></category>
		<category><![CDATA[Büffel]]></category>
		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>
		<category><![CDATA[Luxemburg]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>

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		<description><![CDATA[Dauer: 4:55 &#124; Audiodatei herunterladen (11,45 MB) An Sonia Liebknecht Breslau, Mitte Dezember 1917 … Ach, Sonitschka, ich habe hier einen scharfen Schmerz erlebt, auf dem Hof, wo ich spaziere, kommen oft Wagen vom Militär, voll bepackt mit Säcken oder alten Soldatenröcken und Hemden, oft mit Blutflecken …, die werden hier abgeladen, in die Zellen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><audio id="music" preload="true"><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/27-rosa-luxemburg-briefe-aus-dem-gefaengnis.mp3 "><source src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/"></audio></p>
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				<br />Dauer: 4:55 | <u><a href="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/audio/27-rosa-luxemburg-briefe-aus-dem-gefaengnis.mp3"  download target="_blank"> Audiodatei herunterladen (11,45 MB)</u></a></p>
<p><i>An Sonia Liebknecht</i></p>
<p>Breslau, Mitte Dezember 1917</p>
<p>…<br />
Ach, Sonitschka, ich habe hier einen scharfen Schmerz erlebt,<br />
auf dem Hof, wo ich spaziere, kommen oft Wagen vom Militär,<br />
voll bepackt mit Säcken oder alten Soldatenröcken und Hemden,<br />
oft mit Blutflecken …,<br />
die werden hier abgeladen, in die Zellen verteilt, geflickt,<br />
dann wieder aufgeladen und ans Militär abgeliefert.<br />
Neulich kam so ein Wagen, bespannt, statt mit Pferden, mit Büffeln.</p>
<p>Ich sah die Tiere zum erstenmal in der Nähe.<br />
Sie sind kräftiger und breiter gebaut als unsere Rinder,<br />
mit flachen Köpfen und flach abgebogenen Hörnern,<br />
die Schädel also unseren Schafen ähnlicher,<br />
ganz schwarz mit großen sanften Augen.</p>
<p>Sie stammen aus Rumänien, sind Kriegstrophäen …<br />
die Soldaten, die den Wagen führen,<br />
erzählen, daß es sehr mühsam war,<br />
diese wilden Tiere zu fangen, und noch schwerer,<br />
sie, die an die Freiheit gewöhnt waren,<br />
zum Lastdienst zu benutzen.</p>
<p>Sie wurden furchtbar geprügelt,<br />
bis daß für sie das Wort gilt „vae victis“*.</p>
<p>… An hundert Stück der Tiere sollen in Breslau allein sein;<br />
dazu bekommen sie,<br />
die an üppige rumänische Weide gewöhnt waren,<br />
elendes und karges Futter.<br />
Sie werden schonungslos ausgenutzt,<br />
um alle möglichen Lastwagen zu schleppen,<br />
und gehen dabei rasch zugrunde.</p>
<p>– Vor einigen Tagen kam also ein Wagen mit Säcken hereingefahren,<br />
die Last war so hoch aufgetürmt,<br />
daß die Büffel nicht über die Schwelle bei der Toreinfahrt konnten.<br />
Der begleitende Soldat, ein brutaler Kerl, fing an,<br />
derart auf die Tiere<br />
mit dem dicken Ende des Peitschenstieles loszuschlagen,<br />
daß die Aufseherin ihn empört zur Rede stellte,<br />
ob er denn kein Mitleid mit den Tieren hätte!<br />
„Mit uns Menschen hat auch niemand Mitleid“,<br />
antwortete er mit bösen Lächeln und hieb noch kräftiger ein .</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-511" src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/kuhnert-600x409.jpg" alt="" width="600" height="409" srcset="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/kuhnert-600x409.jpg 600w, https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/kuhnert.jpg 641w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></p>
<p>.. Die Tiere zogen schließ an und kamen über den Berg,<br />
aber eins blutete …</p>
<p>Sonitschka,<br />
die Büffelhaut ist sprichwörtlich an Dicke und Zähigkeit,<br />
und die war zerrissen.</p>
<p>Die Tiere standen dann beim Abladen ganz still, erschöpft,<br />
und eins, das, welches blutete,<br />
schaute dabei vor sich hin<br />
mit einem Ausdruck in dem schwarzen Gesicht<br />
und den sanften Augen wie ein verweintes Kind.</p>
<p>Es war direkt der Ausdruck eines Kindes,<br />
das hart bestraft worden ist<br />
und nicht weiß, wofür, weshalb, nicht weiß, wie es der Qual<br />
und der rohen Gewalt entgehen soll</p>
<p>… ich stand davor, und das Tier blickte mich an,<br />
mir rannten die Tränen herunter<br />
– es waren seine Tränen,<br />
man kann um den liebsten Bruder nicht schmerzlicher zucken,<br />
als ich in meiner Ohnmacht um dieses stille Leid zuckte.</p>
<p>Wie weit, wie unerreichbar,<br />
verloren die freien saftigen grünen Weiden Rumäniens!<br />
Wie anders schien dort die Sonne, blies der Wind,<br />
wie anders waren die schönen Laute der Vögel<br />
oder das melodische Rufen der Hirten.</p>
<p>Und hier – diese fremde schaurige Stadt, der dumpfe Stall,<br />
das ekelerregende muffige Heu mit faulem Stroh gemischt,<br />
die fremden furchtbaren Menschen,<br />
und – die Schläge, das Blut,<br />
das aus der frischen Wunde rinnt …</p>
<p>Oh, mein armer Büffel, mein armer, geliebter Bruder,<br />
wir stehen hier beide so ohnmächtig und stumpf<br />
und sind nur eins in Schmerz, in Ohnmacht, in Sehnsucht. –</p>
<p>*“vae victis!“ (dt. „Wehe den Besiegten!“)<br />
<a name="player28"></a><br />
<img src="https://podcast-lesung.de/wp-content/uploads/Roza_Luksemburg.jpg" /></p>
<p>in Andenken an Rosa Luxemburg<br />
(geboren 1871 – hingerichtet 1919)<br />
„Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden“</p>
<p>Klavier &amp; Lesung: Elisa Demonkí</p>
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