(22) Johann Wolfgang von Goethe »Faust 1 – Vor dem Tor«
vomDauer: 1:46 | Audiodatei herunterladen (2,40 MB)
– WAGNER –
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt;
Des Vogels Fittich werd ich nie beneiden.
Wie anders tragen uns die Geistesfreuden
Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!
Da werden Winternächte hold und schön
Ein selig Leben wärmet alle Glieder,
Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergamen,
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder.
– FAUST –
Du bist dir nur des einen Triebs bewußt,
O lerne nie den andern kennen!
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
O gibt es Geister in der Luft,
Die zwischen Erd und Himmel herrschend weben
So steiget nieder aus dem goldnen Duft
Und führt mich weg zu neuem, buntem Leben!
Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein,
Und trüg er mich in fremde Länder!
Mir wollt er um die köstlichsten Gewänder,
Nicht feil um einen Königsmantel sein.

Heute vor 175 Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe in Weimar.
Neue Lesungen
Aesop
Ball, Hugo
Beethoven, Ludwig
Boccaccio, Giovanni
Busch, Wilhelm
Byron, George Gordon
Christen, Ada
Freud, Sigmund
Gleim, J. W. L.
Goethe, J. W.
Grimm, Gebrüder
Heine, Heinrich
Hufeland, C. W.
Hugo, Victor
Ibsen, Henrik
Kant, Immanuel
Laozi
Lessing, G. E.
Luther, Martin
Luxemburg, Rosa
mhd. Gedicht
Nietzsche, Friedrich
Pulitzer, Joseph
Reventlow, Franziska zu
Rilke, Rainer Maria
Ringelnatz, Joachim
Rückert, Friedrich
Schiller, Friedrich
Schwab, Gustav
Suttner, Bertha von
Sylva, Carmen
Trakl, Georg
Tucholsky, Kurt
Wilde, Oscar