(3) Friedrich Schiller »Der Handschuh«


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    Vor seinem Löwengarten,
    Das Kampfspiel zu erwarten,
    Saß König Franz,
    Und um ihn die Großen der Krone,
    Und rings auf hohem Balkone
    Die Damen in schönem Kranz.

    Und wie er winkt mit dem Finger,
    Auf tut sich der weite Zwinger,
    Und hinein mit bedächtigem Schritt
    Ein Löwe tritt,
    Und sieht sich stumm
    Rings um,
    Mit langem Gähnen,
    Und schüttelt die Mähnen,
    Und streckt die Glieder,
    Und legt sich nieder.

    Und der König winkt wieder,
    Da öffnet sich behänd
    Ein zweites Tor,
    Daraus rennt
    Mit wildem Sprunge
    Ein Tiger hervor,
    Wie der den Löwen erschaut,
    Brüllt er laut,
    Schlägt mit dem Schweif
    Einen furchtbaren Reif,
    Und recket die Zunge,
    Und im Kreise scheu
    Umgeht er den Leu
    Grimmig schnurrend;
    Drauf streckt er sich murrend
    Zur Seite nieder.

    Und der König winkt wieder,
    Da speit das doppelt geöffnete Haus
    Zwei Leoparden auf einmal aus,
    Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
    Auf das Tigertier,
    Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
    Und der Leu mit Gebrüll
    Richtet sich auf, da wird’s still,
    Und herum im Kreis,
    Von Mordsucht heiß,
    Lagern die gräulichen Katzen.

    Da fällt von des Altans Rand
    Ein Handschuh von schöner Hand
    Zwischen den Tiger und den Leun
    Mitten hinein.

    Und zu Ritter Delorges spottenderweis
    Wendet sich Fräulein Kunigund:
    »Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
    Wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stund,
    Ei, so hebt mir den Handschuh auf.«

    Und der Ritter in schnellem Lauf
    Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
    Mit festem Schritte,
    Und aus der Ungeheuer Mitte
    Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

    Und mit Erstaunen und mit Grauen
    Sehen’s die Ritter und Edelfrauen,
    Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
    Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
    Aber mit zärtlichem Liebesblick –
    Er verheißt ihm sein nahes Glück –
    Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
    Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
    »Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
    Und verlässt sie zur selben Stunde.

    Leni Lauritsch und Markus Kircher haben aus der hier gesprochenen Tonaufnahme einen herrlichen Pantomime-Film gemacht.
    www.filmmechaniker.com

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