(58) Johann Wolfgang von Goethe »Gretchens Stube« aus »Faust – Der Tragödie erster Teil«


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    Gretchen (am Spinnrad, allein)

    Meine Ruh ist hin,
    Mein Herz ist schwer;
    Ich finde sie nimmer
    und nimmermehr.

    Wo ich ihn nicht hab,
    Ist mir das Grab,
    Die ganze Welt
    Ist mir vergällt.

    Mein armer Kopf
    Ist mir verrückt,
    Meiner armer Sinn
    Ist mir zerstückt.

    Meine Ruh ist hin,
    Mein Herz ist schwer,
    Ich finde sie nimmer
    und nimmermehr.


    Bild: George Romney

    Nach ihm nur schau ich
    Zum Fenster hinaus,
    Nach ihm nur geh ich
    Aus dem Haus.

    Sein hoher Gang,
    Sein edle Gestalt,
    Seines Mundes Lächeln,
    Seiner Augen Gewalt,

    Und seiner Rede
    Zauberfluß,
    Sein Händedruck,
    Und ach! sein Kuß!

    Meine Ruh ist hin,
    Mein Herz ist schwer,
    Ich finde sie nimmer
    und nimmermehr.

    Mein Busen drängt
    Sich nach ihm hin,
    Ach dürft ich fassen
    Und halten ihn,

    Und küssen ihn,
    So wie ich wollt,
    An seinen Küssen
    Vergehen sollt!

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